Alles ist Nichts
December 19th, 2011Wo sind die Farben? Wo ist das Licht?
Grau in grau, schon seit Tagen. Immer nur grau! Jedes mal, wenn er glaubt, wieder Licht zu sehen, schiebt sich doch wieder etwas vor den schwachen Schein. Zaghafte Versuche, die Welt wieder zu erhellen, werden kaltherzig und mit eiserner Gewalt bereits im Keim erstickt. Er fühlt sich gefangen in einer Welt, in der es keine Farben mehr gibt.
Gleißende Blitze zucken über das Schwarz des Himmels. Noch wagt er zu hoffen, dass sie eines Tages doch Licht ins Dunkel bringen werden. Doch er wird enttäuscht: sie bringen nur Schmerz. Immer und immer wieder. Bis es keine Hoffnung mehr gibt, nur noch Angst und Verzweiflung.
Das kurze Aufleuchten lässt die folgende Dunkelheit noch schwerer auf ihn fallen. Die Entladung scheint den Himmel nicht ein bisschen zu befreien. Es zieht sich immer weiter zu. Unaufhörlich. Dunkler, schwärzer.
Hatte er vor Tagen noch geglaubt, in den Nuancen des Grau endlich wieder einen Hauch von Farbe zu erahnen, wird ihm heute klar, dass das eine Illusion gewesen sein muss. Es wird einfach immer nur dunkler. Seine Einbildungen sind die verzweifelten Versuche eines Gehirns, das noch Farbsehen gewohnt ist, seiner Umgebung endlich wieder einen Sinn abzugewinnen.
Doch vergeblich. Wenn es zwischenzeitlich tatsächlich einmal heller wird, dann nur, damit die anschließende Dunkelheit sich noch brutaler ausbreiten kann.
Je mehr er gegen die Macht der allumfassenden Finsternis ankämpft, desto kraftloser wird er. Die Kraft, die ihm schwindet, stärkt sie. Er sieht keinen Ausweg mehr, weiß inzwischen nicht mal mehr, in welcher Richtung er ihn suchen sollte.
So steckt er hier fest, wie ein Karren im Sumpf. Orientierungslos. Je mehr er kämpft, desto tiefer reitet er sich rein, desto aussichtsloser wird seine Situation, desto mehr verliert er den Halt. Es gibt kein Licht mehr, nie wieder Farben. Nie wieder.
Die Welt ohne Farben ist eine Welt, in der sich alles verliert. Sie entschwindet in eine einzige graue Masse, ein immer dunkler werdendes Nichts. Und sie reißt alles mit sich, ganz egal wie bunt und lebensfroh es einmal war. Ganz egal, für wie fest und unantastbar man es einst hielt. Nicht einmal der Mut der Verzweiflung kann hier etwas bewirken.
Nicht mal der …
