Archive for March, 2008

Kleine Geschenke

Thursday, March 27th, 2008

Es kommt zuweilen vor, dass in unserem Büro kleine Geschenke für den Chef oder einen Kollegen abgegeben werden. Zumeist sind dies Zeichen der Anerkennung besonderer Mühen, wie beispielsweise eine Last-Minute-Fristwahrung, oder einfach ein Dankeschön für die reibungslose Zusammenarbeit während eines sich dem Ende neigenden Jahres.
Auch persönliche Sendungen an den oder die zuständige Sachbearbeiterin sind keine Seltenheit, selbst dann wenn “nur” wichtige Unterlagen und kein edles Tröpfchen in der Verpackung auf ihre Enthüllung warten.

Eine gewisse Dame erscheint neuerdings jedoch auffällig häufig, um Persönliches für unseren Chef zu überbringen. Von „alle paar Tage” (Stand vor etwa zwei Wochen) steigerte sich Ihre Besuchsrate auf inzwischen „mehrmals täglich”. Ihr plötzliches Auf- und Abtauchen hält die ganze Belegschaft in Atem; es werden schon Wetten darauf abgeschlossen, wann sie wohl wiederkommt und was sie wohl dann dabei haben wird.

Wann immer sie das Büro betritt, ist der Chef gerade zufällig nicht da. Sie huscht zu seinem Arbeitsplatz und hinterlässt ihre kleinen Geschenke, bevor sie eilig wieder verschwindet.
Das Repertoire ihrer Hinterlassenschaften reicht von Büchern und CDs über Blumensträuße und rote Rosen bis hin zu ominösen Gutscheinen und mühevoll verzierten Umschlägen.

Auch das Abschalten des Handys hat bisher nicht geholfen. Solange das Feuer der Liebe noch währt, ist unser Empfang aber immer hübsch dekoriert.

Sie haben Post!

Wednesday, March 26th, 2008

Das Telefon am Platz neben mir klingelt. Im Takt leuchtet das grüne Lämpchen auf – das Signal für einen internen Anruf.
Mein Kollege nimmt das Gespräch per Freisprecheinrichtung entgegen: „Ja mein Chef?” – „Ähm, Marko, ich habe immer noch keine Rückmeldung von der Post.”

Man darf bemerken, dass die Post bei uns meist morgens ankommt und das Telefonat sich am frühen Nachmittag ereignete.

Schweigen. Mein Kollege schaut mich erwartungsvoll an. „Hast du ….” Ich schüttle den Kopf. „Aber vielleicht Bernd, der scannt das doch ein. Vielleicht hat er sich ja in der Durchwahl vertan.”

„Marko!” lässt mein Kollege seinen Namen mit fester Stimme in Richtung Mikro verlauten. „Ja, das weiß ich doch.” Pause. „Die Post, was macht die Post? Ich habe noch nichts von der Post gehört.” – „Ich weiß wirklich nicht, was du von mir möchtest.”

Marko schaut noch verwirrter drein.

„Ja ich hatte dir doch eben einen Haufen Briefe gegeben …” – „Das war heute morgen! … Die habe ich verteilt.” Langsam verschärf sich der anklagende Ton in der Stimme unseres Chefs: „Aber ich habe immer noch keine Rückmeldung von der Post bekommen! Du solltest damit ja nicht einfach weglaufen.” – „Ich dachte ich sollte sie verteilen, hast du doch gesagt …” – „Ja, aber hat denn keiner was dazu gesagt?”

Mein Kollege runzelt die Stirn. „Was sollten sie denn sagen?” – „Ja das weiß ich doch nicht. Du sollst das wissen!” Marko zögert. „Soll ich nun rumlaufen und alle Leute fragen?” – „Nein, das lass jetzt mal. Ich wollte ja nur wissen, was mit der Post ist.” Schweigen.

„Okay,” antwortet mein Kollege und streckt die Hand in Richtung Gespräch-beenden-Taste. Kurz bevor er diese erreicht, erklingt noch einmal scheppernd die Stimme aus dem Büro nebenan. Marko zuckt zurück. „Dann müssen wir da noch was ändern, Marko!” Sofort erklingt das charakteristische Tuten einer abgebrochenen Leitung; das Gespräch ist beendet, wir sind verwirrt.

Nachname, Vorname

Tuesday, March 25th, 2008

So schwer ist das ja eigentlich wirklich nicht: Sich in einer halbwegs ordentlich gepflegten Datenbank an die allgemeine Konvention zu halten die Felder jeweils mit den dafür vorgesehenen Daten zu bestücken, sollte doch schon im Rahmen des Möglichen liegen; und man mag es kaum glauben, diese sind sogar entsprechend benannt!
Dummerweise gibt es aber auch Felder, deren Bezeichnung Raum für Kreativität lässt. So etwa die “Kurzbezeichnung” in unserem Verwaltungssystem.

Wenn ein Fritzchen Müller plötzlich als Müller Fritzchen – respektive Fritzchen, Müller – geführt wird, ist das sicher noch kein Problem. Kaum jemand wird wohl sein Schreiben an den Herrn Fritzchen richten, da der Name „Müller” einfach ein viel zu abwegiger Kandidat für einen Vornamen ist.

Problematischer wird es da schon bei einem Menschen, dessen Nachname eines anderen Vorname ist. In größter Gefahr befinden wir uns, wenn dann auch noch beide potentielle Vornamen gleichen Geschlechtes sind – das sind die tatsächlich kritischen Fälle.

Da kommt es schon mal vor, dass ein und der selbe Mensch plötzlich zwei Identitäten besitzt und jedermann der Ansicht ist, es handle sich bei „Peter Markus”* und „Markus Peter”* tatsächlich um zwei unterschiedliche Personen.

Der kleine Fehler, das vergessene Komma in der besagten “Kurzbezeichnung” oder die Verwechslung der Datenfelder für Vor- und Zunamen beim hastigen Einpflegen des Mandanten in die Datenbank, hat hier fatale Folgen.

Erst als die beiden Sachbearbeiter – ja, auch das noch! – zeitgleich beim Mandanten anzurufen versuchen und dieser nun gar nicht mehr weiß, warum der eine ihm sagt, dass genau das fehle, von dem der Kollege eben berichte es sei das einzige, was bis dato vorliege, fliegt die Sache auf.

Das war’s dann also mit dem Doppelleben!

* Name aus Diskretionsgründen geändert. Namensgleichheit mit real existierenden Personen ist reiner Zufall.

Karfreitag

Saturday, March 22nd, 2008

Bei uns im Münsterland isst man an diesem besonderen Fastentag traditionellerweise Struven.

Da, wie ich heute bemerkt habe, deren Bekanntheit äußerst stark regional begrenzt ist, bedarf es einer kurzen Erklärung:

Bei den strengen Kathololiken – und das war man hierzulande früher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – kamen Fleisch und Fisch am höchsten aller Feiertage ganz sicher nicht auf die Speisetafel.
Stattdessen backte man kleine Eierpfannkuchen mit Hefe und Rosinen.

Dieser Brauch hat sich gehalten: Noch heute werden die kleinen runden mit Puderzucker bestäubten Hefeküchlein am Freitag vor Ostern serviert.

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Was ich gerade mache

Monday, March 17th, 2008

„Vorsicht: Hochkonzentrationsphase!!!” verkündet der Schriftzug des Bildschirmschoners am Arbeitsplatz meiner Kollegin.
Sie ist tief versunken in Abstimmarbeiten und sucht schon seit Stunden nach einer widerspenstigen Differenz von exakt 80,08€.

Als das Telefon wieder einmal mit dem schrillen internen Rufton läutend nach Aufmerksamkeit verlangt – und auch alle Ignoranz erfolglos bleibt das Weiterklingel zu verhindern – hebt sie entnervt den Hörer von der Gabel. „Körperlich anwesend,” bellt sie mit einem Augenrollen in den Hörer.
Die Stimme am anderen Ende der Leitung lässt einige Sekunden auf sich warten. Auf ein grimmiges Seufzen reagierend stammelt es leicht verdattert: „Ähm ja, Martina, ich wollte auch nur gerne wissen, was du so machst …” – Unser Chef natürlich, wer sonst!

Eines muss man wissen: Wenn unser Chef nicht gerade Mandantenbesuch empfängt, ist er immerzu damit beschäftigt fürsorglich den Arbeitsfortschritt seiner Unergebenen zu verfolgen. Dabei schreckt er vor kaum einem Mittel zurück, seien es Telefonanrufe im Zwei-Minuten-Takt, Aufsuchen der Mitarbeiter am Arbeitsplatz oder zitieren ebendieser in sein Büro. Er erwartet stets genauen Bericht über das, was man denn gerade tut. Bis es dazu kommt, lässt er einen allerdings auch gut und gerne mal 15 Minuten an seinem Schreibtisch stehen, oder erst ein paar Briefe durchs Büro tragen, bevor man sich dann endlich mitteilen darf.

„Bis eben habe ich die Konten abgestimmt, was ich Ihnen schon vor einer halben Stunde gesagt habe. Damit werde ich auch gleich weiter machen, nachdem ich –” „ Aber ich will nicht wissen, was du gemacht hast, oder machen willst, ich will wissen, was du jetzt gerade machst!” Die geforderte Antwort kommt so prompt wie die Unterbrechung. „Ich telefoniere mit Ihnen!”

Plunnenkerl

Sunday, March 16th, 2008

Gestern höre ich den ganzen Tag über so ein Pfeifen und Flöten. Es dringt durch das geöffnete Fenster in unregelmäßigen Abständen mal lauter mal leiser an meine Ohren. Was ist das?

In der Mangelung eines besseren Einfalls hege ich den Verdacht, meine Nachbarin malträtiere ihre Querflöte. Aber das kann nicht sein – die Melodie, die heute in der Luft hängt, entstammt eher einem Leierkasten!

Schließlich schaue ich mich auf der Straße um. Ein kleiner orange-blauer Laster mit offener Ladefläche holpert auf mich zu, als der Sound wieder anschwillt. Im Gepäck hat er jede Menge Schrotteile, Eisenstangen, Bleche alte Fahrräder und Bettgestelle und nicht mehr identifizierbares Zeug.

Schon oft habe ich kleine weiße Autos durch unsere Nachbarschaft brausend die Spendenaufrufe des DRK verkünden hören – aber das hier ist mir neu!

Leicht verdutzt höre ich einen älteren Herrn über „dat Gedudel vonne Plunnenkerls” schimpfen. Er habe auch noch was für ihn in der Garage stehen, aber das Pfeifen sei ja kaum zu ertragen. Tja, früher waren eben selbst die Plunnenkerle besser.

Da ich selbst keine Kamera zur Hand hatte zeige ich hier stellvertretend ein YouTube Video, auf dem zumindest die gleiche simple Melodie erklingt.

Ich ziehe mich zurück und befrage das Internet nach dem merkwürdigen Zeitgenossen. Nach kurzer Suche werde ich fündig:

Wenn man früher von weitem Musik hörte, eine ganz einfache Melodie, die sich immer wiederholte, ein Klang, der langsam immer näher kam, wussten alle, wozu dieses Lied gehört. Es war der Altwarenhändler, der alle paar Monate mit seinem uralten, rostigen, klapprigen Lastwagen durch die Ruhrgebietsstraßen fuhr. Er nannte sich Altwarenhändler oder Lumpensammler. Man konnte ihn schon früh entdecken, denn man hörte sein Flötenspiel, eine Melodie, die er aus einer ganz einfachen Flöte zauberte. Sein alter Gaul mühte sich oftmals, den Wagen durch die aufgeweichte Straße zu ziehen. Auf dem Kutscherbock saß er, der Klüngelskerl, wie er im Ruhrgebiet hieß, und auf der Ladefläche lag fein sortiert das, was er heute schon gekauft hatte: Eisen und andere Metalle, Kleidung und Lumpen. Wenn die Kinder ihn von weitem kommen hörten, rannten sie ins Haus und bettelten bei ihren Müttern, ihnen etwas zu geben, was sie verkaufen könnten. Quelle

Den Erlös – zumeist Kupfermünzen von ein oder zwei Pfennig – konnten die Kinder in Bonbons umsetzen.

Der Klüngelskerl heißt bei uns “Plunnenkerl”. Und sein Gewerbe erfährt heute eine Renaissance. Zu verdanken haben wir das den steigenden Schrott- und Altmetallpreisen. Sogar das ZDF berichtete kürzlich über die neuen alten Erscheinungen in unseren Städten.

Take a Breath

Friday, March 14th, 2008

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Once in a while, usually after sitting several hours at a desk, I need to take a deep breath. It is amazing to experience how the beautiful smell of woods and fields in the sunset frees your mind!