Archive for August, 2009

Here’s why your pets support HEC*

Thursday, August 20th, 2009

Amazing phenomena, indeed — but I wonder how serious I should actually take this …

* HEC = hypothesis of extended cognition

Abschiedsszenen und Kuhglockenläuten

Saturday, August 15th, 2009

Flughafen Wien. Geschäftiges Treiben um mich herum, natürlich begleitet von der standardisierten „don’t leave any luggage unattended“-Durchsage, deren Häufigkeit anscheinend mit der Größe des jeweiligen Flughafens korreliert – zumindest mal gab es sie in Münster (gefühlt) deutlich seltener, wohingegen sie in Chicago als Dauerschleife lief.

Die letzten beiden Tage in Kirchberg waren nicht sehr erlebnisreich. Nachdem der gestrige Tag mit strömendem Regen begann, wurde es am Nachmittag doch noch sonnig – oder zumindest trocken, denn der Sonnenschein war nur von kurzer Dauer. Ich machte mich zu Fuß auf den Weg von St. Corona nach Kirchberg – eine gute Stunde bergab. Ein Wanderweg führte mich über Stock und über Stein, über Flussbetten und Wiesen, und zwischen Wäldern und Hängen hindurch.

cows

Als wohl charakteristischstes Geräusch dieser Gegend halte ich die läutenden Kuhglocken in Erinnerung – sie waren nicht nur auf dem Weg nach Kirchberg von allen Seiten zu hören, sondern auch vom Balkon meines Zimmers aus immer vernehmbar. Mitunter fungierten sie als Wecker, wenn ihnen diese Aufgabe nicht von Kindergeschrei abgenommen wurde ;)

In einem letzten Vortrag heute stellte ich fest, dass man offenbar durchaus eine Theorie vertreten kann, ohne diese selbst zu verstehen. Danach regte sich allgemeine Aufbruchsstimmung unter den Verbliebenen. „See you next year!“ und „Bis nächstes Jahr!“ standen hoch im Kurs. Umarmungen, Grüße an die Familie und an Kollegen, man will in Kontakt bleiben, Küsschen… während es die einen nach Hause treibt, fahren andere in die Ferien, einige werden noch heute den Atlantik überqueren, andere nur ein paar Stunden mit dem Auto fahren.

Diejenigen, die zum Flughafen nach Wien mussten, versammelten sich in einem Bus, der hoffnungslos überfüllt war. Aber immerhin, er ersparte mit das Taxi nach Aspang, die Zugfahrt zum Südbahnhof und die Fahrt mit dem dortigen Shuttle zum Flughafen. Nun sitzte ich also am Gate und warte darauf, dass das Boarding beginnt.

Heute Abend werde ich in Münster/Osnabrück landen und ab morgen geht’s dann wieder richtig ans Arbeiten ;)

Mein vorläufiges Resümee dieser Woche auf dem Wittgensteinsymposium: auch wenn ich inhaltlich an anderer Stelle mehr mitgenommen habe, Kirchberg war die Reise wert!
– Ein großes Dankeschön an Sven, ohne den ich nicht hier gewesen wäre.

wien

Nachmittagsvorträge

Friday, August 14th, 2009

Kirchberg, Tag 4. Als der Chair gerade die Tür schließen möchte, schlüpft noch ein kleiner schwarzhaariger Mann durch die Tür. Er kommt auf mich zugestürmt und will wissen, ob ich einen gewissen Professor Lenzen in Osnabrück kenne, ob ich ihm Grüße ausrichten und etwas geben könne. Ich denke an nichts Großes und stimme zu, worauf der Chinese vor mir zwei grüne Holzkisten aus der Tasche zaubert. Ich bin leicht überrascht, kann allerdings nichts erwidern, bevor er verschwunden ist. Jetzt trage ich den Rest des Tages zwei grüne Kisten durch die Gegend.

Nachdem ich einer Hand voll Menschen erzählt habe, was ich denke, das eine Theorie von Kognition leisten muss, erzählt mir eine Polin, die ganz offenbar nicht verstanden hat, was es mit Spiegelneuronen auf sich hat, dass Enaktivismus und verteilte Kognition Unterarten verkörperter Kognition seien. Ich zeige mich skeptisch, doch sie meint, dass das in der Literatur so üblich sei – habe ich Literaturberge übersehen?? Interessant wäre es ja schon irgendwie …

Der folgende Vortrag entschädigt allerdings, denn hier komme ich den Genuss von Philosophie in Reinform – und noch dazu welcher, die ich verstehe, da sie sich nicht ausschließlich um Wittgenstein dreht. Ich lerne, warum Sinneseindrücke keine Informationen liefern müssen, die zur Überzeugungsbildung beitragen und, dass Wahrnehmungswissen nicht zwangsläufig kognitive Leistungen erklärt. Der Clou des Arguments ist, grob gesagt, dass die Information, die ich denke, die ein Sinneseindruck mir liefert, von der Definition dessen abhängt, wovon ich einen Sinneseindruck habe. So definiert sich „Regen“ etwa wie folgt:

„es regnet in der Umgebung von x“ heißt: „x hat das Gefühl von Kälte und Nässe und den Gesichtseindruck von grauen parallelen Strichen in einer generellen Abwärtsbewegung.“ Dies gilt allerdings nur unter der Bedingung, dass x nicht unter der Dusche steht.

Daraus zu schließen, der Sinneseindruck, den x hat, liefere die Information, dass es in der Umgebung von x regnet, ist allerdings unzulässig, denn diese Information wird aus der Definition heraus abgeleitet und nicht vom Sinneseindruck selbst.

Den Abend verbringe ich im Mamas, einer örtlichen Bar mit WiFi! Jipee! Das wurde auch Zeit, denn Latexinstallationen lassen sich so schlecht auf anderen Computern machen …

Die Heimfahrt im Shuttle entpuppt sich als unerwartet spannend. Nachdem ich zweimal umsteigen musste, um die Verteilung der Fahrgäste möglichst effizient zu gestalten, bin ich doch die einzige, die zu meiner Unterkunft möchte. Das mit der Organisation üben wir wohl noch mal … aber fairerweise muss man sagen, dass alle lieb und nett sind und am Ende jeder irgendwie nach Hause kommt.

Auf der Fahrt erhält unser Fahrer verzweifelte Anrufe. Einerseits versuchen seine Kollegen sich zu koordinieren, andererseits braucht im Mamas jemand dringend ein Taxi, was um diese Zeit gar nicht so einfach ist, denn: die Taxen aller Unternehmer in Reichweite sind für die Gäste des Wittgensteinsymposiums im Shuttleeinsatz.

Beim dritten Anruf des Kellners, der inzwischen alle weiteren Taxiunternehmer rund telefoniert hat, verraten mir die Stimmen im Hintergrund wer dieses Taxi braucht. Ich war plötzlich sehr froh, eine knappe Stunde zuvor das Angebot zweier Polen mich nach Hause zu fahren ausgeschlagen zu haben, als sie mit der Zange unter dem Auto herumfuhrwerkten. War wohl doch nicht so „easy to fix“, wie sie dachten.

Procrastination

Thursday, August 13th, 2009

Streifzüge

Wednesday, August 12th, 2009

Kirchberg, Tag 3. Um neun Uhr früh füllte der Vortragsraum füllt sich langsam. Vorne wurde die Mikroanalge justiert, ab und zu stromerte einer der Helfer durch die Reihen um Neuankömmlinge mit Handouts zu versorgen. Es ist mir ein Rätsel, warum er sie nicht entweder auf die Stühle verteilte oder den Leuten am Eingang in die Hand drückte …

alws

Die Vorträge der vergangenen Tage befassten sich unter anderem mit Fragen wie „Kann ich ein phänomenales Konzept von etwas haben, das ich niemals erlebt habe?“, „Ist die Perspektive der zweiten Person privilegiert?“, „Ist ‚a = a’ a priori?“ und „Gibt es notwendige Wahrheiten?“ War der eine oder andere davon tatsächlich sehr gut, verschlugen mir andere regelrecht die Sprache, sowohl inhaltlich, als auch der Vortragsweise nach. Beispielsweise erinnerte mich ein indischer Sprecher heute sehr stark an NETtalk und ein Österreicher behauptete tatsächlich, dass die Tatsache, dass der Satz „Der Yeti existiert nicht.“ falsch sein könnte, beweißt, dass der Yeti existiert.

Die Zeit zwischen den Talks lässt sich prima nutzen, um Kirchberg und Umgebung zu erkunden. Man kommt mitunter sogar zum Arbeiten – denn die Erkundungen halten sich in Grenzen. Das gesamte Örtchen lässt sich in etwa einer halben Stunde durchstreifen, die drei örtlichen Lokale – die 1000-jährige Linde, den Wolfgang und den grünen Baum – sowie das hiesige Billa (Name österreichischer Supermarktkette) finde ich inzwischen auch fast blind (und das will schon was heißen).

Diese Kleinräumigkeit endet allerdings sehr rasch, wenn man den Weg zu meiner Unterkunft betrachtet: der Ferienbauernhof liegt eine gute Stunde Fußweg entfernt auf dem nächsten Berg und die Infrastruktur lässt zu wünschen übrig. Einmal täglich fährt ein Bus hinauf und hinunter. Zum Ausgleich gibt’s dafür konferenzeigene Shuttle, die morgens um acht und abends um elf verkehren.

Einer der Fahrer entpuppte sich als gesprächig und erzählte mir stolz, wie sein Vater zu Lebzeiten Wittgensteins bei diesem strengen Lehrer in die Schule ging.

Neben den Vorträgen wird selbstverständlich ein kleines kulturelles Rahmenprogramm geboten: am Montag gab es eine Buchpräsentation des Verlages, der die Proceedings herausgibt, am Dienstag lud der Bürgermeister alle Sprecher zum Abendessen in die Linde, heute kann man sich von „Wittgensteins Tod“ (Theaterstück) bezaubern lassen und morgen können wir uns in Trattenbach Wittgensteins Bett anschauen. Das alles hat Tradition, wie ich mir habe sagen lassen; sogar das Menü beim speakers’ dinner, für welches die 1000-jährigen Linde ein festliches Ambiente bot.

Grundschulbesuch auf den Spuren Wittgensteins

Monday, August 10th, 2009

Kirchberg, Tag 1. Ein Shuttle fährt die Gäste der Ferienbauernhöfe von St. Corona nach Kirchberg. Dort betreten wir die Volksschule. An niedrigen Tischen im Vorraum sitzen auf kleinen Stühlchen junge Menschen, die jedoch aus diesen Möbeln längst herausgewachsen sind. Ein großes Schild mit der verheißungsvollen Aufschrift „Internet“ lockt uns in den hinteren Gebäudeteil. Auch hier sitzen ausgewachsene Menschen auf kleinen Stühlchen an niedrigen Tischen. Es gibt ein knappes Dutzend Computer, an der Anmeldung sitzt jemand, der sich Ankunftszeiten und Namen der Gäste notiert. Denn: die Minute kostet hier stolze 10 Cent. W-Lan? Fehlanzeige.

Während ich einen schnellen Blick auf meine Mails werfe, kämpft ein älterer Herr neben mir mit der deutschsprachigen Windowsoberfläche. “I wanna see my granddaughter!” Ja, er ist tatsächlich letzte Nacht Großvater geworden und die kleine ist wirklich süß :o)

Um zehn versammelt sich die Menge schließlich im Obergeschoss. An den Wänden Klettergerüste und Matten, unter der Decke Ringe und auf dem Boden bunte Markierungen – richtig, wir tagen in der örtlichen Turnhalle. Die Bestuhlung hier ist mindestens so bunt wie das Publikum selbst, aber hier gibt es auch größere Klappstühle. In der Ecke ist eine kleine Beamerleinwand installiert, die vermuten lässt, dass sie nicht auf ständige Nutzung ausgelegt ist. Die Aussicht allerdings entschädigt: durch die Fensterfront blickt man direkt die Hänge hinauf auf grüne Wiesen und Wälder, und ein kleines Häusergrüppchen weiter unten am Fuße des Berges.

Die Eröffnungszeremonie geht los. Die Begrüßungsreden der Ehrengäste werden zu einem großen Teil auf Deutsch gehalten – was mir erst auffällt, als im Anschluss die kürzere englische Fassung (zusammen mit der Entschuldigung, dass „Mostheuriger unserer Kirchberger Landjugend“ nicht übersetzbar sei) folgt. Wow, das kenne ich eigentlich nur von Flughäfen oder Bahnfahrten – aber nicht von internationalen Konferenzen. Mein Erstaunen bleibt auch meinem Sitznachbarn nicht verborgen: „Du bist hier unter Philosophen, vergiss das nicht.“ Mhm.

Das sollte ich bestätigt finden, als ich im ersten Plenarvortrag Zitate auf einem Handout mitlese. Ich bin gespannt auf die kommenden Tage …

Mad World

Thursday, August 6th, 2009