Archive for September, 2009

“Mach’s gut!”

Saturday, September 19th, 2009

Er schaut sie an, ein kurzes Nicken, der Anflug eines hilflosen Lächelns. “Danke, du auch.” Er dreht sich um und geht zur Tür. Routiniert drückt er die Türklinke herunter. Irgendwie fühlt sie sich heute ganz anders an.

Er tritt durch die massive Tür hinaus ins Freie, blinzelt dem untergehenden Feuerball entgegen, und atmet tief ein. Die Abendluft ist klar und schwer. Das übliche Kindergeschrei bevölkert die Nachbarschaft.

Er schreitet auf den Weg hinaus und hört aus einigen Metern Entfernung die Tür in gewohnter Schwere hinter sich ins Schloss fallen. Das bekannte Geräusch jagt ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken. Abrupt hält er inne, dreht sich um und schaut zurück.

Für eine Sekunde scheinen die neuen Möbel wieder unausgepackt vor dem Eingang zu stehen.

Er blinzelt und setzt seinen alltäglichen Marsch zur wohlbekannten Bushaltestelle scheinbar unbehelligt fort. Eine einzelne Träne bahnt sich ihren Weg hinunter zu seinem Kinn. Diesmal wird er wohl nicht wiederkommen.

Aber vielleicht sieht man sich ja mal.

Die Flucht

Tuesday, September 1st, 2009

Sand.
Dreckige Turnschuhe, heftige Schritte.
Jede Faser seines Körpers zum Zerbersten gespannt.
Sein Herz pocht.

Dunkle Wolken am Himmel, Schwüle in der Luft.
Er atmet schwer, geht schneller.
Schweißperlen auf seiner Stirn.
Wohin?

Er schließt die Augen, hört Autos an sich vorbei rauschen,
reißt die Augen wieder auf.
Rot, rot-gelb, grün.
Noch schneller, heftiger!

Donnergrollen. Was machen all die Leute hier?
Regentröpfchen. Ein lauer Sommerregen.
Blitze zucken über den Himmel, die Tröpfchen schwellen zu Tropfen.
Donnerschlag, Vogelgezwitscher, eine einzelne Träne.

Musik krächzt durch ein Fenster.
Hausnummer 10a, eine Gartenlaube, ein Boot.
Uhlenfluchtweg.
Stimmen, Worte. Nein, keine Worte!

Was will er hier?
Weiter. Immer weiter.
Die Sonne durchbricht das Grau.
Schnelle, rhythmische Schritte.
Langsam wird er ruhiger.

Aktionswochen im Mai, Coffee to go.
Was soll das?
Kinder auf der Rutsche, Geschrei aus der Nebenstraße.

Wieder Sand.
Dann Stein, Gras, Kopfsteinpflaster.
Blicke nach links und rechts.

Bekante Gesichter.
Bekannte Menschen.
Er dreht sich um, sie sieht ihn an.
Er ist es nicht.

Er schließt die Augen, läuft weiter.
Läuft schneller, bekommt keine Luft.
In seiner Hast stolpert er.

Niemand sieht sich nach ihm um,
er fällt in die Tiefe und lächelt hilflos.
Stille.