Primrose Hill
Friday, October 23rd, 2009
Looking south from the highest point in London.

Looking south from the highest point in London.
Gespannt steigt sie von Board und schleift ihr Gepäck über den Bootssteg auf die Insel. Was sie wohl erwarten wird?
Ein Bus würde sie in die Mitte der Hauptstadt bringen; und von dort würde sie mit unterirdischen Zügen nach Norden fahren – zu einem alten Haus, das ihre neue Heimat werden soll. Viel mehr weiß sie noch nicht. Aber sie wird damit beschäftigt sein, diese fremde Welt zu entdecken und viel Neues zu lernen.
Die Stadt, in die sie gebracht wird, ist spiegelverkehrt – zumindest hinsichtlich der Fortbewegungsrichtung. Viele Gebäude werden durch rückwärtige Keller oder kleinere Seitenflügel angrenzender Bauten betreten und erweisen sich oftmals – wirken sie von außen verfallen oder modern – innen als mystisch. Unter den alten Gewölben etwa werden gewisse Örtlichkeiten mit Handpumpen betrieben während am modernen Eingang Sicherheitsschleusen mit biometrischen Scannern jedem Fremdling den Zutritt verwehren.
Eines aber gibt es überall: Kameras. Nichts bliebt ungesehen, alles wird genau protokolliert.
Stählerne Treppen führen vermooste Mauern innen und außen hinauf, blinde Fenster lassen nur fahles Licht in die prächtigen Hallen. In einem Glascontainer in der Mitte der größten Halle werden die sterblichen Überreste des ideellen Vaters dieser Stätte ausgestellt. Sie werden jedem Neuling so lange angepriesen, bis dieser im Schlaf den Namen des großen Denkers buchstabieren kann.
In den Lesesälen der Bibliothek gibt es keine geraden Tische. Der Lack auf den Stühlen ist abgewetzt und ihre Beine sind unten zersplittert. Im hinteren Teil des Raumes hat man eine Zwischendecke eingezogen, auf der unzählige leistungsstarke Computerarbeitsstationen installiert sind.
Die Neuankömmlinge werden im Hof zusammengetrommelt und eingelassen. Es sind hunderte … nein tausende! Sie kommen von überall her. Jeder spricht eine andere Sprache und viele tun sich mit der neuen gemeinsamen Kommunikationsmethode schwer. Uniformierte Ortsansässige weisen den Neulingen an jeder Ecke den Weg und führen sie in kleinen Grüppchen von Station zu Station einer feierlichen Prozedur.
Die Wege sind viel weiter, als sie es gewohnt sind. Und auch am jeweiligen Ziel, treffen sie immer wieder auf ein neues Ritual. Zumeist umfasst dies das bilden einer sich nach rechts windenden Schlage wobei die Nichtachtung dieses Gesetztes mit verachtungsvollsten Blicken geahndet wird.
Am Ende aber sollen sie alle Mitglieder der stolzen Gemeinschaft werden.